Weiblichkeit

Dein Schoßraum erinnert sich

Ein stiller Raum für das, was war – und für das, was wieder werden darf.

Eine Rückkehr zur Unschuld

Inmitten all der Stimmen, die uns sagen wollen, wie wir sein sollen, liegt ein Raum in uns, der sich dem entzieht.

Ein Raum, der alles weiß. Der alles trägt. Der still ist – und gleichzeitig voller Geschichte.

Es ist unser Schoß. Unsere Gebärmutter. Ein Ort, an dem Erfahrungen aufbewahrt werden. Zart verwoben, wie ein geheimer Faden durch unser Leben. Sie nimmt alles auf, was uns begegnet. Nicht nur körperlich, sondern auch auf Ebenen, die tiefer reichen. Erlebnisse, die zu groß waren, um sie zu verarbeiten. Gefühle, für die damals kein Raum war. Situationen, in denen unsere Seele sich zurückgezogen hat. Begegnungen, die keine Liebe kannten, sondern nur Anspruch.

All das lebt weiter in uns – vielleicht auch, weil wir daran festhalten, aber vor allem: weil es bewahrt wurde. Aus einem tiefen Wissen heraus, dass es irgendwann gesehen werden will.

„Funktionstüchtig“

Wenn wir nicht aus der Stimme der Yoni sprechen, verliert unsere Gebärmutter einen Teil ihrer Ganzheit. Jedes Mal, wenn wir uns selbst übergehen, wenn wir unseren Körper nicht fragen, wenn wir Worte wählen, die nicht aus der Tiefe kommen – verliert unsere Gebärmutter einen Hauch ihrer leuchtenden Fülle. Sie schwingt immer mit uns mit. Sie richtet sich an uns aus und leidet, wenn wir sie verlassen.

Wir vergessen oft, welche Kraft unsere  Worte haben. Und wenn sie nicht aus dem Körper kommen, sondern aus der Abtrennung, dann spürt sie das. Dann dämpft sich ihr Licht ein wenig. Dann verhüllt sie sich,  aus Sehnsucht nach Wahrhaftigkeit.

Doch – alles kann zurückgeholt werden. Denn die Gebärmutter ist zwar ein Gedächtnis, aber sie ist auch eine Quelle. Sie erinnert sich nicht nur an das, was war (an viele, viele Jahrhunderte zurück) – & sie erinnert sich auch an das, was möglich ist. Ganzheit. Freude. Schönheit.

Sie weiß ganz genau, wie sie sich anfühlt – diese leuchtende, kraftvolle Fülle, die wir oft nur noch aus Träumen kennen.

Und darunter, in all dem: der Kummer.

Ein zarter, leiser Schmerz, der oft keinen Namen hat. Ein Ziehen. Eine Müdigkeit. Ein Verstummen. 

Manchmal ist es nicht das, was geschehen ist, das so weh tut. Sondern das, was nicht geschehen ist.

Die Umarmung, die nie kam. Das Verständnis, das ausblieb. Die Worte, die niemand für uns fand. Nicht einmal der Mensch, der uns am nächsten stand.  Die Hände, die uns nicht gehalten haben.

Dieser ungesehene Kummer liegt in unserem Schoß wie feines Sediment. 

Er wartet. Er wird leise, zieht sich zurück, webt sich in unsere Organe, unsere Träume, unsere Muster.

Und doch – er wird nicht auf ewig dort bleiben. Immer wieder „ploppt“ er auf, manchmal genau dann, wenn wir ihn am wenigsten erwarten und noch weniger brauchen können. Manchmal kommt er regelrecht als Drama und wir schieben ihn mit Gewalt zurück. Ab, weg in die dunkle Kammer zurück. Doch das, was wir verstecken und weghaben wollen, wird sich immer einen Weg ins Licht suchen. 

Eigentlich sucht er nur einen Moment mit dir. Und einer Tasse Tee. Er wartet auf

Zärtlichkeit.

Mitgefühl.

Ein bewusstes Halten.

Keine schnelle „mal-eben“Reperatur, was heutzutage ja so oft modern ist. Schnell mal ein bisschen Persönlichkeitsoptimierung drübergießen. Und dann? 

Dieser Kummer kann nicht einfach mal eben wegoptimiert werden. Er ist langsam – meist über viele Jahre entstanden. Er braucht deine Präsenz, deine Aufmerksamkeit, deine Zuwendung. Ein wahres und liebevolles Mitschwingen von innen.

Wenn wir diesen Raum betreten –  als echte Freundin –, dann geschieht etwas, das alle Worte übersteigt. Wir müssen nur da sein.

Mit der Absicht, zu lauschen. Mit der Bereitschaft, zu empfangen. Mit dem Mut, zu fühlen.  Und genau das können wir tun. Jetzt. Heute. Mitten im Alltag.

Unsere Hände auf unseren Schoß legen. Einen Atemzug nehmen, der wirklich ankommt. Ein Flüstern wagen: „Ich bin da.“

Manchmal reicht ein Moment, in dem wir still werden, ein sanfter Duft, eine Berührung, ein Lied, und der Körper öffnet eine Tür. Zeigt uns Bilder, Gefühle, Fragmente. Weil er jetzt in diesem Moment bereit ist, zu heilen.

Wenn wir uns entscheiden, diesen Raum bewusst zu betreten, wenn wir beginnen, mit unserem Schoß zu sprechen, ihn zu halten, zu würdigen, ihm zuzuhören, dann geschieht etwas, das tiefer geht als Worte. Dann beginnt das, was man eine Rücksetzung nennen könnte. Eine Rückführung in einen Zustand, den viele von uns lange verloren glaubten: die Unschuld.

Unschuld

Die ursprüngliche., zarte Unschuld. Die, die überdeckt wurde von alten Blättern, viel Schlamm und noch mehr äußerem Tand. Denn in der Tiefe unseres Seins ist dieser eine kleine Teil unversehrt. 

Ein leuchtender Kern, weich und kraftvoll zugleich.

Diese Unschuld ist die Frequenz, in der wir uns selbst erkennen. In der wir die Welt berühren, ohne uns zu verlieren. In der wir lieben können, ohne zu verschmelzen. In der wir empfangen dürfen, ohne dafür etwas aufzugeben.

Diese Unschuld ist kein „Ich bin rein und brav“ – sondern ein Zustand von Klarheit, Wahrheit, innerer Stille. Ein Moment, in dem du spürst:

„Ich bin ich – nicht was andere aus mir gemacht haben.“

Hier berühren wir die Welt, ohne uns zu verlieren.

Diese Art von Unschuld erlaubt es dir, offen zu sein, aber nicht durchlässig in einem verletzlichen Sinne. Du kannst anderen begegnen, Dinge fühlen, dich einlassen – und trotzdem bei dir bleiben. Deine Grenzen sind nicht hart, aber klar. Du gibst dich nicht auf, nur weil du in Kontakt gehst.

Du liebst tief– aber du bleibst dabei du. Keine emotionale Abhängigkeit, kein Auflösen deines Wesens, kein „Ich verliere mich in dir“. Sondern: „Ich bin ich. Du bist du. Und wir begegnen uns auf Augenhöhe.“

Diese Unschuld erlaubt dir, zu empfangen – Liebe, Berührung, Wertschätzung, Fülle – ohne dich dafür kleinzumachen, ohne dich zu verbiegen, ohne dich zu verkaufen. Du musst nichts leisten, nichts opfern, nichts verbergen, um würdig zu sein, zu empfangen. Es ist dein natürliches Recht.

Unsere Gebärmutter kennt diesen Zustand. Sie weiß um ihn. Und sie trägt die Erinnerung daran in sich, selbst dann, wenn er unter Schichten von Schmerz, Prägung oder Müdigkeit verborgen liegt.

Erfahrungen, die unsere Seele nicht ehren konnten, haben Spuren hinterlassen. Feine Abdrucke im Energiekörper. Nicht immer sichtbar, aber fühlbar. Und manchmal, wenn wir nicht mehr daran denken, öffnet sich die Tür dorthin und der Schmerz, der noch vorhandene alte Schmerz aus dieser Erfahrung, wird wieder sichtbar.  Und auch wenn wir gelernt haben, damit zu leben, weiß etwas in uns: Es geht auch anders. Leichter. Weicher. Wahrhaftiger. Unschuldiger.

Dieser Weg zurück ist kein intellektueller und kann an nur wenigen Stellen durch den Verstand betreten werden. Er geschieht im Spüren. In der Berührung. Im Vertrauen darauf, dass der Körper weiß, was zu tun ist. Und manchmal zeigt sich Heilung auf ungewöhnliche Weise: durch eine Träne, die lange nicht geweint wurde. Durch ein Zittern, das eine alte Angst entlädt. Durch ein Bild, das plötzlich da ist – und eine Geschichte erzählt, die nie ausgesprochen wurde.

Die Mutterwunde

Und auch das, was wir nicht selbst erlebt haben, lebt in uns. Wir tragen die Erinnerungen der Frauen, die vor uns waren. 

Die nicht sprechen konnten. Die sich anpassten, gaben, hielten. 

Und deren ungelebte Gefühle sich wie Schatten durch unsere Linien ziehen.

Aber auch diese Geschichten wollen sich wandeln.

Sie suchen nach einem Körper, der bereit ist, sie zu erlösen.

Nach einem Herzen, das sie empfängt,

und einem Schoß, der sie heimholt.

Es geht nicht darum, alles zu verstehen. Es geht darum, da zu sein. Mit dem, was ist. Mit dem, was sich zeigt. Mit dem, was erlöst werden will. Der Schoß weiß den Weg. Er braucht keine Anleitungen. Nur Präsenz. Nur Wahrheit. Nur Berührung – innen wie außen.

Wenn wir ihm erlauben, uns zu führen, beginnt eine neue Sprache. Eine, die über das Fühlen kommt. Eine Sprache aus Licht, aus Wärme, aus Weichheit.

Und langsam kehrt sie zurück. Die Unschuld. Weil wir sie, langsam, Schritt für Schritt, wieder freilegen.

Weil wir bereit sind, zu erinnern, dass wir nie weniger waren als vollkommen. Und nie weiter weg als ein Atemzug von uns selbst.

Und vielleicht fragst du dich jetzt:

Wie beginne ich? Was kann ich tun?

Der erste Schritt ist immer das Erinnern. Und dieses Erinnern beginnt im Körper.

Vielleicht legst du heute Abend einfach deine Hände auf deinen Unterbauch. Um zu sagen und zu fühlen: Ich bin da.

Atme. Spüre. Lausche. Vielleicht kommt nichts. Vielleicht kommt Tränen. Vielleicht ein Flimmern, eine Ahnung, ein Zittern. Es reicht, dass du da bist.

Denn das ist der Anfang: Dass du dich deinem Schoß wieder zeigst. Als die, die du bist.

Ich bin auf dem Weg – wie du vielleicht auch. Ich freue mich, wenn du in Austausch gehen möchtest. 

Deine Susanne

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