Das Leben

Hingabe vs. Resignation

✴ Wenn Hingabe nicht aufgeben heißt ✴

Du musst dich dem Leben hingeben, sagten sie.
Annehmen, was ist.

Aber was ist, wenn dieses „Annehmen“ sich anfühlt wie aufgeben?
Wie das Loslassen von etwas so Essentiellem, dass ich mit ihm all das aufgeben müsste, was mir am wichtigsten ist?
Ich kann doch nicht aufgeben, wofür ich so lange gekämpft habe. Was mir so unendlich wichtig ist!

Nein – das ist nicht möglich. Das mache ich nicht. „Das kann ich nicht.“ Übrigens: wenn ein Mensch inbrünstig sagt: „Das kann ich nicht“, dann kann er das nicht. Punkt. Das ist ein absolut in Stein gemeißeltes persönliches Gesetz. Völlig irrelevant, wie unlogisch das für andere sein mag.

Louise Hay war lange Zeit meine Lieblingsautorin. Sie beschreibt den Weg der Hingabe mit 1001 Affirmationen. Ich hab sie alle heruntergebetet, unzählige Male. Hab sie mir an den Spiegel und in den Kühlschrank gehängt. So war alles schön verziert – aber mein Leben hat sich nicht gewandelt.

Wer mich ein wenig kennt, weiß um meine Lebensthematik: Drei Kinder. Davon einer schwerbehindert. Ein Leben, das ich mir so nie ausgesucht habe.

Ich lebe das Leben meines Kindes. Ich werde durch ihn in eine Welt geführt, die ich mir ohne ihn niemals ausgesucht hätte. Es bedeutet, auf vieles zu verzichten – auch für seine Geschwister, für uns alle. Es bedeutet, vieles nicht tun zu können. Viel zu Hause zu sein. Mit ihm gemeinsam durch die dunkelsten Stunden zu gehen. Seine Hand zu halten, während er einen seiner kleinen Todeskämpfe kämpft.

Es bedeutet, in Welten geführt zu werden, die man sich nicht aussuchen würde – und die man nur betritt, wenn man keine Wahl hat.

Einsamkeit geht mit. Abgeschnittenheit von der Welt. Stillstand, der keiner ist.

Ich habe lange dagegen angekämpft. Innerlich. Ich habe mich aufgerieben an dem Gedanken, dass ich „jetzt nur noch“ Pflegerin sein sollte. Dass ich keine andere Aufgabe mehr hätte.

Was kann ich schon tun?, fragte ich mich. Und ich war kurz davor, zu resignieren. Kurz vor der Verbitterung. Nein – das ist nicht übertrieben. Ich war mittendrin.

Und während ich kämpfte, sagte man mir:

„Du musst nur dein Leben annehmen.“
„Du musst das eben einfach aushalten.“
„Du musst das halt fressen, es ist einfach so“
„Du kannst ja sowieso nichts machen.“

Manchmal sagte man mir auch:
„Du hast immer noch die Option, dein Kind in eine Pflegeeinrichtung zu geben.“

Aber das war für mich nie eine Option. So sehr ich gelitten habe – ich konnte es nicht. Ich habe immer gespürt: Ich habe die Wahl. Und doch: Ich habe es nicht verstanden. Ich dachte, ich hätte es längst begriffen. Ich habe so viele Kurse über Manifestation gemacht, über Persönlichkeitsentwicklung, über Starksein, über Muthaben, aber ich habe es nicht verstanden.

Hingabe – was ist das eigentlich?

Was bedeutet es, sich wirklich dem Leben hinzugeben?

In meinem Fall bedeutete es:

Den Kampf gegen mein Leben aufzugeben.

Den Kampf gegen mein Kind. Oh ja, ich weiß, das ist ein Nicht-Denkenswerter-Gedanke, nicht wahr? Aber ja, ich war hier und da sogar wütend auf meinen kleinen Zauberer. Denn „wegen ihm“ war ich so angebunden. 
Den Kampf gegen mich selbst. Ja, ich gehör(t)e zu den Frauen, die an allem, was an mir ist, was auszusetzen haben: der Körper hier da und dort, die Ausdrucksweise hier da und dort, nie ist etwas genug und selten etwas fertig. Bin ich Perfektionistin? Nein, nichtmal das. Eher war ich eine Getriebene, getrieben vom „Ichbinnichtgutgenug“ und gesteuert vom Über-Ich der Eltern.
Den Kampf gegen das System. Oh ihr kennt es: die Politik, die Versicherungen, die… keine Ahnung, eben so 20 – 80 % vom Äußeren halt. Da ist auch nie was gut genug, alles ist falschherum und ganz ehrlich? wofür werden die eigentlich bezahlt. Ihr kennt das. So ein bißchen gesunde Stammtischpolemik eben.

Der Kampf hat mich krank gemacht. Immer wieder ein bißchen, dann wieder weniger, dann noch mehr. Ich war eigentlich Dauer-Krank für viele Jahre. Mal ging´s, dann wieder gar nicht. Und schlussendlich bin ich fast drüben geblieben – an der Stelle, wo der Friede die Seele umschmeichelt. Aber ich bin zurückgekommen, meine Aufgaben hier ist noch nicht fertig. Was ich mitgebracht habe war die Erkenntnis: So kann es nicht weitergehen. Mein innerer Kampf, meine Antipathie zu mir selbst und meinem Leben bringt mich ganz echt um! Es ist nicht das, was ist, was mich umbringt. Sondern dieser Kampf dagegen. Es ist nicht die Krankheit meines Zauberers, die mich mein Leben kostet, es ist mein Kampf dagegen.

Stück für Stück habe ich mich wieder auf die Liebe besonnen. Auf die Liebe zu diesem meinem kleinen so besonderen Jungen. Meinem kleinen Zauberer.

Und ich habe erkannt:

Das ist mein Leben.
Ich habe nur dieses eine – in diesem Körper. Ich werde nicht morgen aufwachen und alles ist anders.

Und ist es nicht das Schönste, aus genau diesem einen Leben

das Beste, das Wahrhaftigste, das Lebendigste zu machen?

Das klingt jetzt so einfach. Ich weiß. Aber ich bin durch die tiefsten Tiefen gelaufen, und ich gehe sie noch.

Heute weiß ich:

Der Widerstand gegen das, was ist, kommt immer mal wieder. Und ich atme ihn durch. Ich umarme ihn. Ich sage zu ihm: „Ich sehe dich.“

Da ist ein Teil in mir, der raus will. Der tanzen will. Der einen trinken gehen will. Der einfach mal auf eine Party möchte. Der sich in sexy Outfits schmeißen möchte und sich vor dem Spiegel drehen möchte. 

Und weißt du was?

Das ist in Ordnung.

Ich setze mich mit diesem Teil auf eine Bank. Wir trinken Tee. Wir reden. Und wir wissen: Wir sind beide da. Und wir gehören zusammen.

Und dann?

Dann wurde auf einmal Energie frei.

Kreative Energie.

Ich wusste gar nicht, wie kreativ ich sein kann.

Meine Linné, meine Bücher, meine Produkte, meine Welt – sie wären nicht entstanden, wenn ich am Widerstand festgehalten hätte.

Denn: Wenn du gegen dein eigenes Leben kämpfst, wird dein Körper krank. Dein Herz leer. Und dein Licht klein.

Heute weiß ich, was passiert, wenn du den Kampf aufgibst.

Und ich lade dich von ganzem Herzen ein:

Tu es auch.

Denn dann geschieht das,

wonach wir uns alle sehnen:

Es wird Energie frei.

Für dich. Für dein Wesen. Für das, was du wirklich bist.

✴ Und wenn du dich dabei nicht allein fühlen möchtest …

Ich begleite Frauen in genau diesen Momenten.

Wenn das Leben anders ist, als sie dachten.

Wenn der Kampf sie müde gemacht hat.

Wenn Hingabe sich wie Aufgabe anfühlt –

und sie doch ahnen:

Da wartet etwas.

Wenn du fühlst, dass du diesen Weg nicht allein gehen möchtest,

schau gern hier vorbei:

👉1:1 Begleitangebot

In Liebe und mit weitem Herzen,

Susanne 🌿

Für dich vielleicht ebenfalls interessant …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert